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Coronazeit in der Wohnanlage Sarstedt

Außerhalb der Wohnanlage ist es still um uns geworden – aber wir sind noch da, voller Lebenslust und Zuversicht

. Lebenshilfe Collage WA Sarstedt


Der Alltag hat sich in der Wohnanlage für alle verändert und neue Strukturen haben sich ergeben. Die gewohnte morgendliche Hektik wurde von einem ruhigen Start ohne verpflichtende Termine abgelöst.
Es findet kein reges Kommen und Gehen statt, die Bewohner*innen bleiben im Haus und alle anderen bleiben draußen. Mit dieser Veränderung zog eine neue Konstante und eine damit einhergehende Ruhe im Haus ein. Natürlich bedeutet diese Konstante den Verlust von Besuchen der Angehörigen, Freunde, Treffen mit Kolleg*innen bei der Arbeitsstätte, so wie die Teilnahme am aktiven Leben außerhalb der Wohnanlage.
Die neuen Rahmenbedingungen schaffen die Möglichkeit, den Alltag miteinander aktiv gestalten und erleben zu können. Um dies leisten zu können, wird die Wohnanlage von der Küche der Werkstatt Drispenstedt mit Mittagessen und Grundnahrungsmitteln versorgt. Die tägliche Lieferung ist für die Bewohner*innen ein Highlight und alle wollen helfen, wenn es darum geht, die Lebensmittel auf die einzelnen Gruppen zu verteilen. Ebenfalls gibt die tägliche Lieferung eine Struktur vor und stellt somit im Tagesablauf einen wichtigen Orientierungspunkt dar.
Auch die Dienstpläne mussten umstrukturiert werden: Ein Mitteldienst wurde eingeführt und es müssen mehr Stunden geleistet werden, um die Dienste besetzen zu können. Nur so können sich die Kolleg*innen im Früh- und Spätdienst um das Gruppengeschehen kümmern, während die Mitteldienste eine abwechslungsreiche Beschäftigung für die Bewohner*innen organisieren und umsetzen. Die Angebote sind sehr vielseitig und orientieren sich an den Wünschen der Bewohner*innen. Es entstehen viele neue Ideen zur Beschäftigung, die mit wachsender Begeisterung angenommen werden. Es wird ein Corona-Tagebuch, welches als Bilderwand in der Eingangshalle zu bestaunen ist, geführt. Dies soll die schönen Momente und Aktivitäten, wie z.B. Backen, Schatzsuche, Disco, Basteln, Malen, Konzerte, Wikinger-Schach, Garten- und Holzarbeiten uvm., für uns festhalten.
Um Abwechslung bieten zu können, wurden viele neue Beschäftigungsmaterialien wie Bastelutensilien, Gesellschaftsspiele, Puzzles und Werkzeuge für die Holzwerkstatt der Wohnanlage und für den Garten angeschafft.
Damit auch die Bewegung nicht zu kurz kommt, findet 2x in der Woche ein Sportprogramm statt, das von einem Kollegen aus der Werkstatt durchgeführt wird.
Selbstverständlich vermissen die Bewohner*innen, trotz der vielen Angebote, ihre Angehörigen, welche durch nichts zu ersetzen sind. Um den Trennungsschmerz etwas lindern zu können, wurde ein Laptop mit einem Programm zur Videotelefonie eingerichtet, es finden Gespräche vom Fenster zum Parkplatz statt und es werden Briefe geschrieben. Auch die Geburtstage erleben die Bewohner in dieser Zeit anders als gewohnt. Ein Geburtstag, der nicht im Elternhaus stattfindet oder zu dem kein Besuch empfangen werden darf, ist ungewohnt und stimmt einige bei dem Gedanken daran traurig. In der Wohnanlage ist niemand allein und somit sind viele zum Feiern und Gratulieren da. So beginnt der Geburtstag jetzt noch früher, da der Vorbereitung mehr Zeit gewidmet wird und der Geburtstag, ganz ohne verpflichtende Termine und Strukturen, noch ausgiebiger gefeiert werden kann. Mit dem nötigen Abstand, fanden am Gartenzaun auch schon schöne Familientreffen zu Ehren des Geburtstagskindes statt.
Auch dürfen wir in dieser Zeit viel Solidarität von Angehörigen und Ehrenamtlichen erfahren, die uns mit Kuchen, Blumen, selbstgenähten Masken und einem Osterfrühstück überrascht haben.
Obwohl diese schwere Zeit einige Dinge positiv verändert hat, freuen wir uns auf unbeschwerte Zeiten, in denen wieder selbstbestimmt am Leben teilgenommen werden kann und alle Ihre Angehörigen, Freunde und Kolleg*innen wieder in die Arme schließen dürfen. Denn die Nähe zu unseren Lieben und das Gut der Selbstbestimmung ist durch nichts zu ersetzen.

Text: Natalie Mieske für die Wohnanlage Sarstedt

Foto: Mit der Fotocollage sind die Aktionen und Aktivitäten der häuslichen Wohngemeinschaft in der Coronazeit festgehalten.
Letzte Änderung amDonnerstag, 07 Mai 2020 09:39